Das Islandpferd
Interieur - das Wesen des Islandpferdes

Die Anforderungen an das ideale Islandpferd sind hoch; gewünscht wird ein vielseitig begabtes Reitpferd für Freizeit und Sport, welches sowohl von Erwachsenen als auch von Kindern geritten werden kann. Ein Islandpferd sollte robust und unabhängig sowie sozial und leicht zu handhaben sein, dabei genügsam und einen guten Gehwillen haben.
Ein Islandpferd ist erst mit ca. sieben Jahren ausgewachsen. Mit Rücksicht auf die späte körperliche Reife der Pferde werden sie erst zwischen dem vierten und fünften Lebensjahr angeritten. Islandpferde werden normalerweise recht alt, 30 bis 35 Jahre und mehr sind keine Seltenheit. Häufig können die Pferde noch weit über ihr 25. Lebensjahr hinaus geritten werden.
Gesundheit
Islandpferde sind grundsätzlich physisch und psychisch stark und gesund. Es können jedoch Probleme mit dem sog. Sommerekzem und Spat auftreten.
Als Sommerekzem wird eine Allergie gegen den Speichel einer auf Island nicht heimischen Mückenart (Culicoides sp.) bezeichnet, der bei den betroffenen Pferden zu starkem Juckreiz führt, eine nicht artgerechte Haltung kann die Ausbildung eines Sommerekzems begünstigen. Pferde, die aus Island importiert wurden, leiden häufiger darunter als auf dem Kontinent gezogene. Die Neigung zu Ekzem ist erblich. In bestimmten Zuchtlinien tritt die Krankheit deutlich öfter auf als in anderen. Im Flachland gehaltene Pferde erkranken häufiger als solche, die im Gebirge oder in Meernähe stehen. Mittlerweile können durch sogenannte Ekzemdecken und bestimmte Präparate die unangenehmen Folgen der Krankheit stark in Grenzen gehalten werden.
Spat ist eine Entzündung kleiner Knochen im Sprunggelenk, die günstigenfalls zur Verknöcherung derselben führt und vermehrt bei Ponyrassen auftritt. Während des entzündlichen Prozesses gehen erkrankte Pferde mehr oder weniger lahm. Nach dem Abschluss des Verknöcherungsprozesses wird meist eine gewisse Steifigkeit der Hinterhand beobachtet. Isländische Wissenschaftler erkannten die Erblichkeit von Spat und empfehlen, sich züchterisch hieran zu orientieren. Seit 2006 müssen auch in Deutschland alle Hengste (5+6-jährige), die erstmals eine FIZO-Materialprüfung ablegen, eine Spatuntersuchung vorweisen.
Gangarten und Reiten
Neben den bekannten Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp beherrschen heute die meisten Isländer die Gangart Tölt und viele die Gangart Pass (gem.: Rennpass). Das Gangspektrum von Islandpferden bewegt sich in vielen Variationen vom Viergänger zum Fünfgänger, wobei das heute häufig erreichte Zuchtziel ein in allen Gängen leicht zu reitendes Islandpferd mit ausdrucksvollen Bewegungen ist.
Das Gangreiten ist anspruchsvoll und erfordert auch vom Reiter sehr gute reiterliche Kenntnisse und Fähigkeiten, die nur durch gezielte Ausbildung auf Gangpferden erreicht werden können. Nur ein gut ausgebildeter Reiter ist in der Lage, ein Islandpferd entsprechend seiner Ganglage optimal zu reiten.
Spezialgangarten Tölt und Rennpass
Die Fußfolge des Tölts entspricht der des Schrittes und ist ein klarer Viertakt. Anders als im Schritt, wo sich Zwei- und Dreibeinstützen abwechseln, hat ein töltendes Pferd abwechselnd nur ein oder zwei Hufe am Boden. Durch die fehlende Sprungphase sitzt der Reiter auf einem Tölter nahezu erschütterungsfrei. Das Pferd geht unter dem Reiter aufgerichtet und „tanzt“ aus der Schulter. Tölt kann – je nach Gangveranlagung und Ausbildungsstand des Pferdes – fast von Schrittgeschwindigkeit bis hin zur Galoppgeschwindigkeit geritten werden (Renntölt). Die Gangart Tölt ist für Reiter sehr angenehm und hat wesentlich zur Beliebtheit und Verbreitung des Islandpferdes beigetragen.
Zusätzlich verfügen einige Islandpferde über den Rennpass. Beim Rennpass läuft das Islandpferd in gestreckter Haltung von einer Lateralen auf die andere. Rennpass unterscheidet sich von der heutzutage bei Islandpferden unerwünschten Gangart „Schweinepass“ durch seine Flugphase zwischen dem Auffußen der Lateralen. Rennpass gilt als „Königsgangart“ des Islandpferdes, Passreiter genießen daher innerhalb der Islandpferde-Szene bis heute ein besonderes Ansehen. Besonders gute Fünfgangpferde werden häufig auch als „Gæðingur“ bezeichnet.




