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Das Islandpferd

Die Zuchtgeschichte des Islandpferdes

Bereits vor der Besiedelung Islands durch die Wikinger begann mit der Vorauswahl geeigneter Tiere die Zuchtgeschichte des Islandpferdes. Nur die besten und robustesten Pferde wurden mit auf die Reise in die neue Heimat Island genommen, um dort als Last- und Reitpferde zu arbeiten.

Die heute weit verbreitete Meinung, dass aus Angst vor Tierseuchen bereits im Jahr 930 eine gesetzgebende Versammlung (das Alþing) ein Importverbot für lebende Tiere beschlossen hatte, welches für Pferde bis heute gilt, ist falsch. Tatsächlich gilt das Importverbot für Pferde erst seit 1909.

Vor allem Pferde anderer Rassen, z. B. von Fjordpferden, fanden zuvor als Arbeitspferde den Weg nach Island. Die heutige Rasse Islandpferd entwickelte sich aus der damals vorhandenen, gemischten Population nordischer Pony- und mitteleuropäischer Pferderassen. Historische Texte legen jedoch den Schluss nahe, dass auch einzelne Vollblutpferde in Island vererbten.

Auf Island werden auch heute noch primär Pferde und Schafe gezüchtet; nicht nur letztere dienen der Fleischgewinnung, auch Pferde wurden und werden als Schlachtvieh gehalten. Nur etwa vierzig  Prozent der gezüchteten Pferde werden in der Zucht oder als Reitpferde eingesetzt. Während es im grasreichen Südland von Island von je her regelrechte Fleischpferdezuchten gab und gibt, haben sich die Bauern in anderen Regionen auf die Zucht von Reitpferden spezialisiert, wobei hart selektiert wird. Vor allem im Norden Islands wird mehr Wert auf den Reitsport gelegt. Die Pferde aus dieser Region sind auch wesentlich schmaler und eleganter gezüchtet als die etwas derberen Artgenossen aus dem Süden.

Da es bis etwa 1926 noch kein Straßennetz auf Island gab, kamen Islandpferde als Reit- und Lasttiere zum Einsatz. Heute erinnert in der Haupstadt Reykjavik ein Denkmal an die vierbeinigen Lastenträger. Die isländische Pferdezucht erlebte in der Folge einen Niedergang. Ende der vierziger Jahre wendete sich das Blatt jedoch, und es etablierte sich das Zuchtziel „Reitpferd“. Bereits in den 50er und 60er Jahren erlebte das Islandpferd einen wahren Export-Boom mit dem Hauptmarkt Deutschland, wo sich der Isländer als Freizeitpferd besonderer Beliebtheit erfreute. Später lag das Hauptaugenmerk der Zucht auf der Entwicklung des Gangpferdes, wie wir es heute kennen. Die Zielsetzung eines vielseitigen, kompakt gebauten "Familienpferdes" trat dagegen immer mehr in den Hintergrund, was sich auch an der steigenden Preisentwicklung zeigte. 1967 wurde der Bundesverband IPZV e.V. gegründet. Bekannte deutsche Reiter, wie Walter Feldmann und Hans Georg Gundlach, entwickelten aus den Grundlagen der Dressurreiterei das Gangreiten und trugen das Wissen darüber auch in das Heimatland Island zurück. Heute ist Deutschland nach Island das größte Zucht- und Exportland für Islandpferde.